Mein zweiter Themenschwerpunkt: Die Bildung


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Der zweite Bereich, der mir wichtig ist, ist die Bildung.

Auch in diesem Kernbereich der Landespolitik haben wir riesige Probleme. Nach einer Forsa-Umfrage sagen 87 Prozent aller befragten Lehrerinnen und Lehrer, dass die Schulpolitik in NRW am realen Schulalltag vorbei geht. Die Landesregierung hat für ihre Schulpolitik die Note vier minus bekommen. Das dürfte doch wohl deutlich genug sein!

Unser Schulalltag ist in der heutigen Zeit geprägt von den 3 I.

Individuelle Förderung
Inklusion
Integration

Individuelle Förderung bedeutet an erster Stelle vor allem den Erhalt unseres jetzigen gegliederten Schulsystems, das heißt auch, dass die Förderschulen erhalten bleiben müssen.

Individuelle Förderung bedeutet aber auch das Eingehen auf die Bedürfnisse der Eltern und Schüler. Das aber geht nicht mit der schlechtesten Lehrer-Schüler-Relation aller Bundesländer und den durchschnittlich größten Klassen. Hier müssen wir dringend etwas ändern!

Individuelle Förderung bedeutet ferner Entlastung unserer Lehrerinnen und Lehrer von unterrichtsfremden Aufgaben, wie die organisatorische Vorbereitung von Fahrten und Veranstaltungen. Das können genauso Angestellte erledigen. Hier sollten wir sog. „Schulverwaltungsassistenten“ einstellen, so dass die Lehrer entlastet werden.

Eine Entlastung der Lehrer sollte auch bei der Stundenverpflichtung erfolgen, insbesondere bei den Lehrern, die zwei Korrekturfächer haben. Da sind die 25,5 Stunden Wochenbelastung de facto zu viel.
Ich war fünf Jahre Dozent an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung. Wir hatten eine Verpflichtung von 18-22 Stunden in der Woche.
Warum das bei Lehrern weitaus höher ist als bei Dozenten, zumal die Lehrer noch mehr Aufgaben haben, erschließt sich mir nicht. Das müssen wir ebenfalls ändern!

Kommen wir zu dem zweiten I, der Inklusion!
Wer Inklusion will, muss auch die Rahmenbedingungen dafür schaffen.
Bei der Inklusion brauchen wir an erster Stelle eine genügende Anzahl von Lehrerinnen und Lehrern mit sonderpädagogischer Ausbildung.
Wenn das nicht möglich ist, dann müssen zumindest die anderen Lehrerinnen und Lehrer entsprechend fortgebildet und auch Zeitkontingente zur Verfügung gestellt werden.
Darüber hinaus müssen wir zu einer Doppelbesetzung pro inklusiver Klasse kommen. Nur so kann Inklusion auch tatsächlich funktionieren.
Das belegt auch eine aktuelle FORSA-Umfrage, die von der Lehrergewerkschaft VBE in Auftrag gegeben wurde (Bonner General Anzeiger, 19.05.2016). 94 % der befragten Lehrer sehen das genauso!

Beim dritten I, der Integration, gibt es ebenfalls Einiges zu tun.
Integration kann nur gelingen, wenn die entsprechenden Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Und das bedeutet an erster Stelle , dass Kinder ohne Deutschkenntnisse nicht einfach in die Klassen "geworfen" werden dürfen, sondern es eine individuelle Förderung geben muss.

Und ein letzter Punkt im Bereich der Bildung ist die soziale Ungleichbehandlung.
Wir haben ca. 195.000 Lehrer in NRW. Davon sind etwas mehr als 40.000 nur angestellt und etwas mehr als 12.000 sogar nur befristet angestellt.
Diese soziale Ungerechtigkeit muss endlich beendet werden.
Gleiches Geld für gleiche Arbeit muss die Maßgabe sein. Das eine rot-grüne Landesregierung so etwas praktiziert, spricht sich für!

Stichwort G 8 vs. G 9
Wir als Christdemokraten setzen uns an erster Stelle dafür ein, nicht alles zu reglementieren und vorzugeben.
Deshalb bin ich für mehr Wahlfreiheit der Schulen. Dort wo G 8 funktioniert, sollte es weiter betrieben werden. Wenn Schulen aber in Absprache mit den Eltern eine Rückkehr wollen, sollte dies ermöglicht werden.
Mit Blick auf die demografische Entwicklung sollten wir allerdings zukünftig wieder komplett auf G 9 umsteigen.

Stichwort Offene Ganztagsschule (OGS)
Das Land NRW stellt für offene Ganztagsschulen Lehrerstellen und Personalkostenzuschüsse zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es noch eine Betreuungspauschale für Kinder, welche die OGS besuchen, aber nicht regelmäßig am Ganztagsunterricht teilnehmen. Diese Betreuungspauschale kann vom Schulträger nach Bedarf eingesetzt werden.
(c) Andreas Niessner | Bonn